Am 9. April fand in Trier im Rahmen der Heilig-Rock-Tage der neunte Tag der Ökumene statt. Er stand unter dem Leitwort „Kommt und seht!“ (Johannes 1,39). Mehrere Hundert Christinnen und Christen aus der römisch-katholischen, der altkatholischen, der griechisch-katholischen und aus verschiedenen protestantischen und orthodoxen Kirchen aus Rheinland-Pfalz, Saarland und Luxemburg versammelten sich, um zusammen nach der Einheit zu suchen und das Gemeinsame zu feiern.
Zur Eröffnung fand ein feierlicher Gottesdienst im Dom statt, dem Vertreterinnen und Vertreter aus sechs verschiedenen Konfessionen vorstanden, darunter auch mehrere hochrangige geistliche Würdenträger. Der Rat Christlicher Kirchen in Luxemburg wurde vertreten durch den griechisch-orthodoxen Priester Elefterios Anyfantakis. Im Zentrum des Gottesdienstes stand ein Text aus dem Johannesevangelium, der von den ersten Jüngerberufungen erzählt. In seiner Predigt ging Bischof Walter Klaiber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland und Präsident der Deutschen Bibelgesellschaft, auf den Bibeltext ein und brachte ihn in Verbindung mit dem Tagesmotto. In Bezug auf die Ökumene unterstrich er, dass das Bekenntnis zu Jesus weder beliebig noch uniform sei, ermahnte aber die verschiedenen Kirchen, nicht darüber zu streiten, welche Bekenntnisformulierung nun die richtige sei. Vielmehr sollten sie sich darauf konzentrieren, dass sie sich in ihrem Grundsatz einig seien, nämlich dass Jesus Christus das Fundament und Ziel allen christlichen Lebens sei. Diese gemeinsame und verbindende Aussage müsse nach außen hin deutlich gemacht und gelebt werden. Der festliche Gottesdienst wurde von der Projektschola der Dommusik Trier und vom Domorganisten Josef Still stilvoll und künstlerisch hochstehend musikalisch umrahmt. Hier, wie immer wieder im Verlauf des Tages, gedachten die verschiedenen Kirchenführer des kürzlich verstorbenen Papstes und würdigten unter anderem auch sein Eintreten für den ökumenischen und interreligiösen Dialog. Im Anschluss fand eine Prozession zur Heiltumskammer statt, wo der Heilige Rock aufbewahrt wird. Vielleicht könne dieses unzerteilte Gewand Christi, so fragte sich Bischof Klaiber, zu einem Symbol für die unteilbare Wirklichkeit Jesu Christi und damit zu einem Symbol für die Einheit der Christenheit werden.
In der Westkrypta, einem halbkreisförmigen, in den rohen Felsen gehauenen, stimmungsvollen Raum im Untergrund des Domes, fand in der Mittagsstunde eine Kurzandacht statt, die wie in den vergangenen Jahren zeichenhaft als Beispiel gelebter „Ökumene von unten“ gestaltet war. Sie wurde von zwei Vertreterinnen des Rates Christlicher Kirchen in Luxemburg gehalten. Im Zentrum der Meditation stand die biblische Geschichte von der Samaritanerin am Jakobsbrunnen, die - von Jesus berufen - zur ersten Missionarin ihres Volkes wird (Johannes 4). Pfarrerin Gabriele Krohmer von der evangelischen Gemeinde deutscher Sprache und die römisch-katholischen Theologin Anastasia Bernet erweckten den dichten, schweren Bibeltext in Form einer dialogischen Bildbetrachtung phantasievoll zum Leben. Voll Freude stimmten die Teilnehmenden zum Abschluss in das Lied ein „Kommt, geht mit mir zum Brunnen“.
Während die Ehrengäste zu einem feierlichen Mittagessen im Bischofpalast eingeladen waren, bestand für die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich im Treffpunktzelt auf dem Domfreihof zu verpflegen, an einer ökumenischen Domführung teilzunehmen oder die malerische Trierer Altstadt zu erkunden. Viele nutzten die Gelegenheit zu interessanten Begegnungen und offenen Gesprächen über die Konfessions- und Landesgrenzen hinweg.
Ein weiterer Höhepunkt war die ökumenische Versammlung, die am Nachmittag im Caspar-Olevian-Saal neben der Konstantin-Basilika stattfand. Wie schon in seiner Predigt warb der Referent Bischof Klaiber dafür, von Jesus zu erzählen. Dies sei der Ort, wo es heute noch möglich sei, Jesus zu begegnen. Die Begegnung mit Jesus sei das Zentrum und Herzstück dessen, was in der Kirche geschehe. Christus begegnen wir in unseren Mitmenschen. Deshalb bedeute die Nachfolge Jesu, „die Tränen der Armen und Schwachen nicht zum Lachen der Reichen und Einflussreichen werden zu lassen“. Die Kirche Jesu Christi müsse eine „Kirche für andere“ sein. In Bezug auf das ökumenische Bemühen strich der Referent hervor, dass es darum gehe, wie die getrennten Kirchen das Geschenk des Lebens darstellen und wie sie gemeinsam ihre christliche Grundüberzeugung weitergeben können. Ökumene dürfe nicht nur für jene sein, „die schon da sind, sondern auch für die, die noch nicht da sind“. Nach dem Vortrag hatten die Anwesenden die Gelegenheit, ihre Fragen, Anliegen und Sorgen im Gespräch mit Bischof Klaiber vorzubringen.
In der anschließenden kirchenmusikalischen Andacht, ein Novum am Ökumenetag, versammelten sich die Teilnehmenden, um zur Ruhe zu kommen und über das Gehörte zu meditieren. Die Veranstaltung wurde von zwei Pfarrern verschiedener Konfessionen geleitet. Der Hauptakzent lag auf der musikalischen Vermittlung des biblischen Wortes durch zwei Kirchensonaten von Wolfgang Amadeus Mozart und die Psalmkantate „O sing unto the Lord“ von Georg Friedrich Händel. Der Händel-Projektchor des Ev. Kirchenkreises Trier, zwei Solisten und das Kammerorchester der Konstantin-Basilika interpretierten die Werke, gekonnt auf der Orgel begleitet von Martin Bambauer.
Müde, aber zufrieden und erfüllt machten sich danach diejenigen, die von weit her angereist waren, auf den Heimweg. Ortsansässige und Leute aus der Umgegend profitierten noch von den Angeboten der Heilig-Rock-Tage und ließen den Tag ausklingen im Abendlob, das um 21 Uhr im Dom stattfand. Es stand unter dem Thema “Er ist der Sohn Gottes“ (Johannes 1,34) und wurde vom Taizé-Gebetskreis Trier mit einem Instrumentalensemble gestaltet.
Anastasia Bernet